Gespräch über Medizin und Philosophie und/oder Heilkunde und Weisheit

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Aktualisiert am 24.05.2018

 

 

Im Film sind die Protagonisten Hendrik und Willy mit einem Lastkahn (anfangs die „Liese-Lotte“) im Verband mehrerer Kähne ständig auf den Kanälen und Flüssen zwischen Berlin und Rotterdam unterwegs. Die beiden befreundeten jungen Partikuliere, beide gemeinsam Eigner, leben Tag und Nacht auf ihrem Kahn, der ihnen seit elf Jahren (in der Filmzeit seit 1933) gehört.


Sie haben hin und wieder Liebesaffären an Land, stellvertretend dargestellt durch eine Kellnerin im Café Meseritz und eine weitere Frau (im Film in Havelberg). Wegen Verwechselungen der Frauen von Vornamen oder der aufgegebenen Bestellung erkennen die Schiffer, dass oberflächliche Affären für ihr vom Weg des Schleppkahns abhängiges Leben an Bord nicht gut für sie sind. Sie beschließen das zu ändern. Fortan träumen beide von festen Bindungen und einem eigenen Motor für ihren Kahn.

 

In einer Sommernacht hat ihr Kahnverband an einer Brücke auf ihrer Fahrt in Richtung Berlin (im Film an der Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Berlin) festgemacht. Willy fällt vom Kahn aus eine weinende junge Frau auf, die sich anscheinend in die Havel stürzen will und macht Hendrik aufmerksam. Sie springt jedoch nicht, wirft aber einen Zehn-Mark-Schein von der Brücke, den die beiden aus dem Wasser fischen. Weil der letzte Bus schon weg ist, bietet Hendrik der Frau, die sich als Anna Altmann vorstellt, an – nachdem sie von ihm ihr Geld für ein Hotelzimmer in Potsdam zurückfordert –, auf den Kahn zu kommen und wie auf einem Sterndampfer für die zehn Mark nach Berlin zurückzufahren, wo sie eine kleine Wohnung hat. Sie nimmt an und übernachtet in der Kajüte, während die zwei Schiffer am Bug schlafen. Während der Nacht kommt es zu einer romantischen Szene, in der Hendrik Anna über die ihr unbekannten besonderen Geräusche an Bord eines Kahnes, die er „eine feine Musik zum Einschlafen“ nennt, aufklärt.

 

Schon bald verlieben sich beide in sie, und da sie sehr unterschiedlich sind – der eine eher versonnen, der andere jovial-listig – jeder auf seine Weise. Während des Anlegemanövers (im Film am Berliner Schiffbauerdamm) beschließen Hendrik und Willy Anna den Vorschlag zu machen, auf der nächsten Fahrt nach Rotterdam mit einem der beiden an Bord zu bleiben, um herauszufinden, für wen von ihnen sich Anna entscheidet. Nachdem Willy, der beschlossenermaßen Anna die Vereinbarung offerieren soll, etwas taktlos versucht sie zur Rede zu stellen, wo die zehn Mark denn herstammten, Anna aber die Herkunft des Geldes nicht kundtun will, kommt es zum Konflikt. Gekränkt verlässt Anna den festgemachten Kahn. Im Weggehen verrät Anna von einer Fußgängerbrücke (im Film die ehemalige Schlütersteg-Brücke) den beiden, die unten auf ihrem Kahn stehen, dass sie sich das Geld durch Modellstehen verdient hätte. Es folgt eine fast heitere Szene, in der Hendrik und Willy zunächst unwissend voneinander im gleichen Museum nach Bildern mit Anna suchen und sich dabei in einem Ausstellungssaal gegenseitig ertappen.

 

Danach schließen die beiden Männer ein Abkommen: Wer Anna für sich gewinnen kann, muss auf seinen Anteil am Kahn verzichten. Willy geht an Land und heuert als Kranführer in einem der Binnenhäfen Berlins (im Film Teile des Osthafens) an, während Hendrik mit einem neuen Schiffsjungen weiter auf dem Schiff Lasten nach Rotterdam fährt. Er kommt einmal bis in die Rheinmündung und steuert dort auf einen überwältigenden Abendhimmel überm Meer zu, wo die Kameraführung verrät, dass dort in der Ferne eine andere, glücklichere Welt liegen könnte. Dies gehört in die von der Filmzensur unbeanstandete Zeichensprache eines scheinbar ganz unpolitischen Käutner-Films, der es dennoch deutlich vermeidet, Nazideutschland für die beste aller Welten zu erklären.

 

Willy wirbt derweil um Anna. Sie erzählt ihm, warum sie den Geldschein von der Brücke warf: Sie wollte eine schlechte Erinnerung loswerden. Ursprünglich aus Schlesien aus der Gegend um Görlitz stammend, fühlte sie sich sehr einsam in Berlin. Um unter Leute zu kommen, hatte sie einen Ausflug zum Wannsee gemacht, dort einen Maler kennengelernt und sich in ihn verliebt. Als er sie bat, für ihn Modell zu stehen, kam sie in der Hoffnung, er würde ihre Neigung erwidern, in sein Atelier. Doch nach einer Sitzung als Aktmodell erhielt sie lediglich zehn Mark für ihre Mühe.

 

Willy merkt, dass er für Anna nur ein guter Freund ist. Er spürt, dass Anna in Hendrik verliebt ist. Also arrangiert er ein unerwartetes Stelldichein für die beiden. Auch wenn es Willy nicht leicht fällt, verzichtet er schließlich auf die Erfüllung des Abkommens und fährt mit Anna und Hendrik künftig gemeinsam mit dem Lastkahn, der nun „Anna“ heißt, unter den Brücken entlang.


 


Unter den Brücken

Produktionsland: Deutschland

Originalsprache: Deutsch

Erscheinungsjahr: 1946 (gedreht 1944)

Länge: 99 Minuten

Regie: Helmut Käutner

Drehbuch: Helmut Käutner,

Produktion: Kurt-Fritz Quassowski

Musik: Bernhard Eichhorn

Kamera: Igor Oberberg

Schnitt: Wolfgang Wehrum

 

Besetzung

Hannelore Schroth: Anna Altmann

Carl Raddatz: Hendrik Feldkamp

Gustav Knuth: Willy

Ursula Grabley: Kellnerin Vera

Margarete Haagen: Wirtschafterin

Hildegard Knef: erste Freundin Hendriks

Walter Gross: Mann auf der Brücke

Helmut Helsig: Cafébesitzer Muhlke

Erich Dunskus: Schlepperkapitän Holl

Klaus Pohl: Museumsdiener

 

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